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Kleine Kinder und der Computer
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Immer mehr Pädagogen empfehlen digitale Lernprogramme und Internet-Schulung schon im Kindergarten. Vor den Folgen dieser falschen Pädagogik warnt die frühere Moderatorin des Frauenmagazins „Mona Lisa“ und heutige Moderatorin Petra Gerster der Sendung ZDF „heute“.

Während amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Lernerfolg und Motivation steigen, wenn am Computer gelernt wird, halten englische Wissenschaftler fest, dass Schüler in den Grundschulen besser mit Büchern lernen als mit Computern. Bei einer Untersuchung an 800 Grundschulen war das Ergebnis, dass Schüler im Alter von elf Jahren ihre Lernergebnisse an Schulen mit guter Computerausstattung um sieben Prozent verbessern konnten. Dagegen steigerten  Schüler an jenen Schulen, die mehr in Bücher investierten ihre Leistungen um zwölf Prozent.

Petra Gerster ist geneigt, den Engländern zu glauben nicht nur wegen der strengen englischen Schulbehörde, sondern weil sie ihre Kinder vor dem PC beobachtet und mit Lernprogrammen und Lernangeboten aus dem Internet gearbeitet hat.

Petra Gerster und der Vater ihrer Kinder haben mehrmals während fünf Jahren ihre Meinung geändert. Sie haben nichts gegen den Computer in Schule und Kinderzimmer, meinen aber dass der Nutzen nicht im richtigen Verhältnis zu seinen Kosten steht. Einen Sinn ergibt sich frühestens ab der achten Klasse.

Manche Computerpropagandisten sehen in der Arbeit mit dem PC einen Wert an sich, weil er das universelle Werkzeug der Informationsgesellschaft ist. Da dürfe die Schule nicht daran vorbeigehen. Und dann wird noch suggeriert, der Computer sei wie das Klavier ein Instrument, das nur der richtig beherrschen lerne, der beizeiten damit anfängt.

Der Vergleich mit dem Klavier ist laut Petra Gerster schlicht Unfug. Der Umgang mit dem PC könne in jedem Alter und zu jeder Zeit erlernt werden, von Jugendlichen natürlich schneller als von Rentnern.

Aber die Forderung „so früh wie möglich“ hält die Autorin nicht nur für unsinnig, sondern sogar gefährlich.

Der Sohn von Petra Gerster war in der zweiten Klasse und stöhnte und ächzte unter den Hausaufgaben. Er wollte sie nur noch mit dem Computer machen. Leicht und schnell geht es die Buchstaben und Zahlen auf den Monitor und über den Drucker auf das Papier zu bringen, anstatt mühsam ins Schulheft zu schreiben. Und wozu Kopfrechnen lernen, wo doch Taschenrechner und Computer blitzschnell jedes Ergebnis auf Knopfdruck liefern?

Malen wollte er auch nicht mehr, weil es mit dem PC leichter ging. Und die Legosteine waren nicht mehr interessant, am Computer liessen sich Figuren, Häuser, Bahnhöfe zusammensetzen.

Seither sind die Gersters überzeugt, Computer haben in der Grundschule nichts verloren.

Kinder brauchen den Kontakt zur Realität, um sich in ihr zurechtzufinden. Begriffliches Denken entsteht  zuerst in den Händen übers Be-Greifen. Und dazu brauchen sie ihre Hände. Zwischen den Händen, Augen Ohren und dem Gehirn besteht eine innige Beziehung, die so eng ist wie die zwischen der Feinmotorik und der Intelligenz.

Wenn Schreiben, Malen, Formen nur noch am Computer simuliert würde, würden wir unsere Kinder um ihre sinnlichen Erfahrungen betrügen, ihre Sinne würden verkümmern, so etwas wie Realitätssinn könnte sich gar nicht richtig entwickeln. Darum hat die Beschäftigung mit dem Computer Zeit. Datum hat die Beschäftigung mit der sinnlich erfahrbaren Welt unbedingten Vorrang. Erst ab der achten Klasse fängt die Arbeit mit dem PC an, nützlich ist sie ab der zehnten Klasse , notwendig vor der Matura, so Petra Gerster.

Dass sich Kinder mehr für die Programme am Computer interessieren als für Schulbücher ist kein Wunder.

Der Lernstoff der Spass macht und unterhaltsam ist, sitzt den Programmierern von Lernsoftware im Nacken. Deshalb spricht man ja auch von Edu- oder Infotainment. Educatrion und Information sollen als Entertainment daherkommen und das Lernen zum Vergnügen machen.

Wegen dieses unbedingten Spassangebots verstecken die Entwickler ihre Rechenaufgaben . Grammatikübungen und Fremdsprachentexte aufwändig hinter Comics, Abenteuergeschichten, klingender Akustik und tollen Animationen, dass die Kinder auf den ersten Blick überzeugt sind, es nicht mit blöden Rechenaufgaben  oder trockener Grammatik zu tun zu haben, sondern mit einem aufregenden Computerspiel.

Dieser Vorzug des multimedialen Schulbuchs ist zugleich sein grösster Nachteil. Der Spasszwang verführt die Programmierer zu Mätzchen und multimedialem Overkill, der eher vom Lernen abhält als dazu zu animieren.

Dass beispielsweise nach jeder richtigen Antwort des Schülers ein Affe, Hund oder Pelikan applaudiert, einen Purzelbaum schlägt oder sich den Hals verrenkt ist zu Anfang ganz lustig, auf die Dauer nervt es. 

Es gibt eine grosse Diskrepanz zwischen Aufmachung und Inhalt zahlreicher Lernprogramme. Weil die Kinder wegen der fetzigen Optik meinen, es mit einem Computerspiel zu tun zu haben, suchen sie nach der Pointe des Spiels, beschäftigen sich mehr mit de Comics, den Bildern, dem Sound und der meist dürren Rahmenhandlung, in das das Programm eingebettet ist. Und weniger mit den Aufgaben und dem was eigentlich gelernt werden soll. Irgendwann durchschauen sie dann die Absicht und sind verstimmt.

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